Vielleicht hast du schon einmal bei Ausflügen in die Natur Leute gesehen, die ganz komisch gekleidet waren?

Ich meine solche mit weiten weißen Gewändern und einem Schleier um den Kopf. Manchmal rauchen sie auch Pfeife.

Bienenstand

Foto: Dr. Karl-Georg Michel

Jetzt weißt du bestimmt schon, wen ich damit meine: Wer so aussieht wie Astronauten sind Imker, die sich um Bienen kümmern. Ich bin das selber auch und verbringe gerade jetzt im Frühjahr und Sommer viele Stunden damit, mich um meine fleißigen Helferinnen zu kümmern.

Sie leben in Kästen aus Holz. Wir sagen dazu Bienenstock. Drinnen ist es total dunkel. Nur wenn ich dort nach dem Rechten sehe, gibt es für die Bienen kurzzeitig Licht und Helligkeit. Sie können dann ziemlich nervös sein und auch stechen. Deshalb schützen sich Imker mit solchen Astronautenanzügen.

Ich bin immer wieder fasziniert von dem, was die Bienen alles können, obwohl viele von ihnen die meiste Zeit ihres Lebens drinnen im Stock sind und dort ja nicht einfach so das Licht anmachen können.

Da gibt es zum Beispiel die Königin. Das ist die Anführerin der Bienen und sie ist die ganze Zeit damit beschäftigt, in die sechseckigen Waben ganz kleine weiße „Stiftchen“ zu legen. Daraus wachsen dann in etwa drei Wochen neue Bienen.

Ist eine Biene aus ihrer Wabe geschlüpft, hat sie

zunächst einmal innerhalb des Bienenstocks verschiedene Aufgaben: Sie ist als Putzfrau tätig, versorgt die noch frische Bienenbrut mit Nahrung oder baut mit Wachs neue Waben.

Bienen

Foto: Dr. Karl-Georg Michel

Andere Bienen lagern als Nahrung frischen Honig ein. Es gibt sogar Bienen, die mit ihren Flügeln für Kühlung sorgen oder auch für Wärme, damit es drinnen immer eine angenehme Temperatur hat. Am Eingang zum Bienenstock passen Wächterinnen auf, damit keine fremden Bienen oder sogar Feinde wie Hornissen eindringen können.

Wenn eine Biene schon einen Monat alt ist, kann sie endlich raus aus dem Bienenstock und auf Blüten nach Nektar und Pollen suchen. Dann ist sie aber für eine Biene richtig alt. Und das Sammeln der Nahrung ist so anstrengend, dass sie schon nach ein paar Flügen erschöpft ist und ihr Herz zu schlagen aufhört und sie einschläft.

Am meisten fasziniert mich, dass die Bienen das alles wie von einer unsichtbaren Hand gesteuert machen. Sie wissen automatisch, was für ihre Gemeinschaft das Beste ist. Und die kann ziemlich groß sein. Manche Völker bestehen aus bis zu 60.000 Bienen.

Mich erinnert das an das Geheimnis, von dem wir heute in den Texten des Pfingstgottesdienstes hören. Also an das Wirken des Heiligen Geistes.

Im Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth wird es so gedeutet:

„Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.“ (1 Kor 12, 4-7)

Genau das darf ich auch bei meinen Bienen immer wieder erfahren: Jede einzelne verrichtet ihren Dienst so, dass es allen anderen nützt.

Frühjahrsdurchsicht

Foto: Dr. Karl-Georg Michel

Vieles von diesem geheimen Leben der Bienen im Inneren ihres „Hauses“ wissen wir gar nicht. Noch immer gibt es Forscher, die dazu mehr herausfinden wollen. Dazu passen deshalb ganz gut die Worte, die wir heute in der Apostelgeschichte hören: Ich bin selber auf jeden Fall sehr oft „fassungslos vor Staunen“ (vgl. Apg 2,7) über das, was es bei den Bienen alles zu entdecken gilt.

Bist du jetzt neugierig geworden und willst noch mehr über Bienen erfahren? Bestimmt kennst du jemanden, der selber Imker ist und dich einmal in einen Bienenstock schauen lässt.

Du kannst den Bienen auch selber gut helfen. Pflanze bei dir im Garten oder auf dem Balkon viele Blumen, die Bienen und anderen Insekten wie zum Beispiel Schmetterlingen genügend Nahrung bieten.

Zum Download: ABENTEUER AM SONNTAG 05. Juni 22 Pfingstsonntag C

Text und Fotos : Dr. Karl-Georg Michel