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Beim letzten Besuch meiner Bienen stand ich schon wieder vor einem Rätsel. Ich hatte mich so gefreut, ein neues Volk mit einer ganz neuen Königin zu haben. Ich hatte diese sogar schon mit einem kleinen Punkt gekennzeichnet.
Die Königin wird dafür vorsichtig in einem kleinen Käfig eingesperrt. Dort bekommt sie etwas Klebstoff auf den Rücken, auf dem dann eine farbige Markierung angebracht wird. Das hält ihr ganzes Leben lang, also so vier oder fünf Jahre.
Durch diese Markierung kann ich die Königin leichter sehen. Stell dir mal vor: Jetzt im Sommer sind es in so einem Volk zehntausende Bienen. Das ist ein richtiges Gewimmel. Die Königin ist zwar größer als die anderen Bienen. Aber sie ist dann trotzdem schwer zu finden. Der bunte Punkt hilft mir dabei sehr. Jedes Jahr hat eine andere Farbe. Dann kann ich auch sofort sehen, wie alt die Königin ist.
Aber das Rätsel bestand für mich nun einfach darin, dass die Königin ja nicht mehr da war. Trotz dem bunten Punkt konnte ich sie nicht finden. Aber das ist wichtig. Denn nur wenn ein Volk eine Königin hat, kann es überleben. Darauf muss ich immer achten, wenn ich am Bienenstand bin und die Völker durchsehe.

Foto: Karl-Georg Michel

Foto: Karl-Georg Michel
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Ich habe in den Waben auch keine weißen Eier gesehen. Die sind dünn wie Augenwimpern, weiß und ganz kurz. Man kann sie gerade noch so erkennen.
Sie werden von der Königin in die Waben gelegt. Daraus entwickeln sich Larven und später Maden. Nach drei Wochen schlüpft eine neue Biene.
Solche Eier habe ich also nicht gesehen und auch keine markierte Königin. Ich war richtig traurig.
Eine noch junge Königin, die schon wieder verschwunden ist.
Es kann sein, dass sie dem Bienenvolk nicht gut genug war. Dann wird sie von ihnen nicht mehr gefüttert und verhungert.
Ein wenig kam ich mir mit dieser Erfahrung so vor wie in der Wüste: Als Mensch bin ich da nur sehr klein und einsam. Und auch ein wenig rat- und hilflos. Heiß ist es in einer Wüste auch. Was für mich in meinem Imkeranzug mit der Haube auf dem Kopf ebenfalls zutrifft. Da kann man nämlich ziemlich ins Schwitzen kommen, wenn man direkt in der Sonne steht.
Auch in der Ersten Lesung geht es heute um eine solche Wüstenerfahrung.
„In jenen Tagen kamen die Israeliten in die Wüste Sinai. Sie schlugen in der Wüste das Lager auf.“ (Ex 19,2)
Sie waren in dieser Situation bestimmt müde. Sie hatten Hunger und Durst. Und genau in dieser Wüstensituation bekommen sie von Gott Trost zugesprochen:
„Ihr habt gesehen, … wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und zu mir gebracht habe.“ (Ex 2,4)
Mitten in der Wüste macht Gott den Israeliten also Mut! Sie sind von ihm behütet wie auf Adlerflügeln.

Foto: Karl-Georg Michel
Auch Jesus macht heute im Evangelium Hoffnung:
„In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.“ (Mt 9,36)
So wie Schafe ohne Hirten ist es auch bei einem Bienenvolk ohne Königin. Die Bienen sind dann sehr nervös. Also habe ich einen Versuch gestartet und dem Volk eine Bienenwabe von einem anderen Volk gegeben. Darauf waren Eier und Larven. Wenn das Volk ohne Königin ist, wird es daraus nun eine neue Königin nachziehen.
Dafür stellen die Bienen sogar einen Saft her, den nur solche Larven bekommen, die Königinnen werden sollen. In nicht einmal drei Wochen wird hoffentlich eine neue Königin geschlüpft sein … und das Volk hat wieder Zukunft.
Als Imker darf ich also an der Schöpfung mitwirken. Ich bin für meine Bienen verantwortlich. Ich muss schauen, dass es ihnen gut geht und dass sie immer eine Königin haben. Deshalb bin ich schon sehr gespannt, wie es mit diesem neuen Volk weitergeht.
PDF zum Download: ABENTEUER AM SONNTAG 14.06.2026
Lektionar 2018 ff. © staeko.net
Text und Foto: Karl-Georg Michel
Diözese Augsburg, Fachbereich Gemeindekatechese, www.pastorale-grunddienste.de
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