
Fotos: Karin Demartin

Es gibt für mich kein faszinierenderes Hobby als den Umgang mit meinen Bienen. Sie stellen mich vor immer neue Herausforderungen. Sie lehren mich Bescheidenheit. Denn sie sind stärker als ich. Nichts kann ich planen.
Manchmal kann ich nicht mal richtig schlafen. Ständig überlege ich nachts: Was ist der nächste Schritt, den ich tun kann? Und dann bin ich am Morgen bei den Bienen und es kommt alles ganz anders als geplant.
In diesem Frühling zum Beispiel wollten viele Bienenvölker sehr früh schwärmen. Das hatte mit dem Wetter zu tun. Schon im April war es sehr mild und vieles hat gleichzeitig geblüht. Es gab also sehr viel Nahrung. Deshalb dachten sich einige meiner Völker: Es ist vielleicht gut, wenn wir uns teilen.
Dann bauen die Bienen auf Ihren Waben eine größere Zelle, aus der nach gut zwei Wochen eine neue Königin schlüpft. Für das Volk bedeutet das: Die eine Hälfte bleibt mit der neuen Königin im bisherigen Bienenstock. Aber die andere Hälfte zieht mit der alten Königin als Schwarm vorher aus und sucht sich eine neue Höhle.
Hast du schon mal einen solchen Schwarm gesehen? Er hängt oft für einige Zeit als große braune Traube voller Bienen an Bäumen und Sträuchern. Aber in der Natur, ohne die Hilfe von Imkern, können Honigbienen nur schwer überleben.
Deshalb ist es wichtig, Schwärme möglichst zu verhindern. Für Völker mit solchen Zellen für neue Königinnen haben Imker verschiedene Tricks. Einer geht so: Ich habe das Volk mit der alten Königin ein paar Meter entfernt aufgestellt. Gleichzeitig gibt es am bisherigen Ort einen neuen Bienenkasten. Da ist auch die Wabe mit der noch nicht geschlüpften Königin drin.
Weil sich die Bienen ihren alten Ort merken, sind die meisten dann an ihr bisheriges Zuhause geflogen. Inzwischen ist dort die neue Königin geschlüpft. Ich habe also ein neues Volk, das sich hoffentlich gut entwickeln wird. Und auch dem bisherigen Volk ein paar Meter entfernt geht es gut.
Das freut mich sehr, der Trick hat geklappt. Einen Haken hat die Sache aber: Dadurch habe ich weniger Honig. Die Völker brauchen einen Teil der Nahrung, die sie sich bei ihren Sammelflügen holen, jetzt zunächst für sich selbst.

Foto: Karin Demartin
Deshalb hat Imkerei für mich auch mit Bescheidenheit zu tun. Der Honig ist zwar das, was mir die Bienen als Ernte schenken. Aber ich kann da nichts planen und bin immer von der Natur abhängig – vom Verhalten der Bienen, aber auch vom Wetter.
Von genau einer solchen Bescheidenheit hörst du heute auch in der Ersten Lesung aus dem Buch Hosea:
„Lasst uns den HERRN erkennen, ja lasst uns nach der Erkenntnis des HERRN jagen! Er kommt so sicher wie das Morgenrot; er kommt zu uns wie der Regen, wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt.“ (Hos 6,3)
Dem Propheten Hosea geht es dabei um unseren Umgang mit Gott. Er wirft den Menschen vor:
„Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der bald vergeht.“ (Hos 6,4b)
Die Menschen hatten sich nämlich angewöhnt, Gott mit irgendwelchen Opfern zu huldigen. Aber das waren nur überflüssige Dinge. Sonst war ihnen Gott aber egal. Vor allem haben sie ihm nicht ihre Liebe geschenkt.
Sie haben sich also von völlig unwichtigen Dingen ablenken lassen; sie haben sich vielleicht so wie ich mit den Bienen nutzlose Gedanken gemacht. Denn eigentlich ist es klüger, wenn ich mich an ihrem natürlichen Verhalten orientiere. Sie sagen mir dann schon, was ich zu tun habe.
Genauso ist es auch mit dem Glauben: „Der Mensch denkt, Gott lenkt“ heißt ein altes Sprichwort. Hast du es schon mal gehört?
PDF zum Download: ABENTEUER AM SONNTAG 07.06.26_10. Sonntag im Jahreskreis
Lektionar 2018 ff. © staeko.net
Text und Foto: Michaela Wuggazer
Diözese Augsburg, Fachbereich Gemeindekatechese, www.pastorale-grunddienste.de
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