Warst du schon mal richtig durstig? Ich kann mich gleich an mehrere Situationen erinnern, in denen es mir so ging. Einmal war ich mit Freunden wandern in Südfrankreich. Es war im Hochsommer, der Wind war ziemlich heiß und wir hatten kein Wasser mehr. Wie sehr freuten wir uns auf das Dorf, dem wir in der Mittagshitze entgegenliefen. Aber es war verlassen und wir fanden dort nichts zu trinken. Also gab es erst am späten Nachmittag bei unserem Tagesziel wieder etwas Flüssiges.
Der Wanderweg führte uns in eine tiefe und breite Schlucht hinunter. Unten war ein Fluss. Und stell dir vor: Beim Abstieg ist an uns ein riesiger Vogel vorbeigesegelt. Er war ziemlich nah, nur einen Steinwurf weit weg. So einen großen Vogel hatte ich noch nie gesehen! Zunächst dachte ich, es wäre ein Adler gewesen. Aber abends habe ich dann in einem Geschäft einen Zeitungsartikel gesehen: Damals wurden dort Geier wieder angesiedelt.
Ein anderes Mal war ich auf einer Insel wandern. Unter uns hörten wir das Meer rauschen. Aber trotzdem war es sehr heiß und trocken. Meine Wanderkarte zeigte mir unterwegs eine Quelle an. Deshalb hatten wir nicht so viel Wasser mitgenommen. Aber die Quelle war versiegt und auch der nächste Ort war, wie in Südfrankreich, verlassen und es gab wieder nichts zu trinken. Aus den verschiedenen Wasserhähnen, an denen wir schraubten, kam kein einziger Tropfen.
Verdurstet bin ich dabei nicht. Aber es war eine ziemliche Herausforderung, ohne Wasser noch weiter zu wandern. Andererseits schärft eine solche Situation auch die Sinne. Vielleicht ist mir der Geier genau deshalb aufgefallen und ich kann mich noch heute, vierzig Jahre später, so gut daran erinnern?
Einmal, erst vor ein paar Jahren, hatte ich eine sehr schöne Erfahrung in den Bergen. Auch da hatte ich nach einer langen Wanderung fast kein Wasser mehr. Aber da habe ich ganz weit oben an einer Quelle frisches Bergwasser getrunken. Was soll ich sagen? Ich kann diesen Geschmack gar nicht richtig beschreiben. Dieses frische Nass hat einfach himmlisch gut geschmeckt, irgendwie so richtig paradiesisch. So ein gutes Wasser hatte ich noch nie getrunken. Es hatte einen sanften, einen ganz klaren Geschmack.

Foto: Donata Demartin
„So spricht der Herr: Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser!“ (Jes 55,1a)
Ist das nicht ein wunderschönes Versprechen, das uns Gott heute in der Lesung aus dem Alten Testament gibt? Er will tatsächlich unseren Durst und unseren Hunger stillen.
„Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnte euch laben an fetten Speisen!“ (Jes 55,2b)
So richtig kann das vielleicht nur verstehen, wer schon einmal in der Natur unterwegs war und dabei Durst oder Hunger hatte. Sich dann mit frischem und klaren Quellwasser stärken zu können, kommt dieser Erfahrung des Propheten Jesaja sehr nahe.
Bei ihm geht es sogar noch weiter:
„Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben! Ich schließe mit euch einen ewigen Bund“ (Jes 55,3)
Gott will also immer bei uns sein und uns in unseren Sorgen und Nöten beistehen.
In der Zweiten Lesung aus dem Römerbrief wird das zusätzlich bestärkt:
Nichts kann „uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8,39b)

Foto: Donata Demartin
Ich finde, das ist wunderbar. Egal wie groß die Durststrecken in deinem Leben auch sein möge:
Jesus ist immer an deiner Seite und hilft dir, deinen Weg zu gehen.
PDF zum Download: ABENTEUER AM SONNTAG 02. August 26
Lektionar 2018 ff. © staeko.net
Text: Karl-Georg Michel
Fotos: Donata Demartin
Diözese Augsburg, Fachbereich Kirche und Umwelt, www.pastorale-grunddienste.de
Wollen Sie das ABENTEUER AM SONNTAG wöchentlich per Mail erhalten?
Dann informieren Sie uns unter gemeindepastoral@bistum-augsburg.de